InfoCenter – Kulturwirtschaft

Kulturtourismus: Netzwerke als Erfolgskomponente für kleine Städte
Jul 8, 2009 - AKTUELLE NACHRICHT
Eine Studie des Vereins Kultur und Arbeit e.V. hat erstmals untersucht, unter welchen Voraussetzungen sich wirtschaftliche Effekte im Kulturtourismus für möglichst viele lokale Akteur/innen in kleinen Städten generieren lassen. Fazit: Verbindliche Netzwerke sind der Schlüssel zum Erfolg.
Große deutsche Kommunen wie Berlin oder Hamburg haben sich längst auf den Weg gemacht, kulturwirtschaftliche Potenziale zu erschließen. Doch die in Großstädten entwickelten Vorgehensweisen basieren nicht nur auf langjährigen Erfahrungen, sondern auch auf evaluierten Daten aus Kulturwirtschaftsberichten. Sie sind auf kleine Kommunen kaum übertragbar, da die Kulturwirtschaft dort anders funktioniert: Meist fehlen ein sensibilisiertes Umfeld und qualifizierte Akteur/innen, ist die Datenlage rudimentär; und gerade kleine Kommunen befinden sich oft in ländlichen Räumen, was komplexere Anforderungen an Kommunikationsprozesse und die Logistik stellt als in urban verdichteten Zentren. Auch fehlen Orte der kulturellen Kommunikation, diese müssen oft erst organisiert werden (beispielsweise über Veranstaltungen), während in großen Städten solche Orte (Cafés, usw.) selbstverständlicher infrastruktureller Bestandteil sind.
Die rund 24.000 Einwohner/innen zählende Verbandsgemeinde Altenkirchen im Westerwald, bestehend aus 41 Ortsgemeinden und der Stadt Altenkirchen (www.vg-altenkirchen.de ) hat beispielhaft ihr kulturwirtschaftliches Potenzial erfassen lassen. Die Ergebnisse zweier Studien, durchgeführt die media k GmbH (Bad Mergentheim), die TU Wien und den Verein Kultur und Arbeit (Mainz/Bad Mergentheim) geben Aufschlüsse, wie ökonomische Effekte generiert werden können.
Außerordentlich hohe Bedeutung der Netzwerkbildung
Die Ergebnisse der Studien deuten darauf hin, dass die Initiierung, Bildung und professionelle Begleitung von kulturwirtschaftlich ausgerichteten Netzwerken von zentraler Bedeutung für kleine Kommunen im ländlichen Raum ist. Kooperation ist der „rote Faden" durch alle Handlungsfelder. Netzwerke als kontinuierlich lernende Systeme schaffen Voraussetzungen, um die Attraktivität des Lebens- und Arbeitsraums der kleinen Stadt abzusichern und auszubauen. Denn: Es gibt derzeit kaum funktionierende kulturwirtschaftliche Netzwerke, die modellhaft für kleine Kommunen stehen könnten. Institutionalisierte Formen der Zusammenarbeit, die mit dem klaren Ziel agieren, Akteur/innen aus Kultur und Wirtschaft zum gegenseitigen Vorteil zusammen zu bringen und gemeinsam „Produkte" zu entwickeln, sind rar. Lokale Akteur/innen über Netzwerke zu wirtschaftlich ausgerichteten Kooperationen zu motivieren, birgt aber ein immenses wirtschaftliches Potenzial, das bislang seiner Erschließung harrt.
Beispiel Kulturtourismus
Für Altenkirchen machte eine Stärken-Schwächen-Analyse deutlich, dass das größte ungenutzte Potenzial der Gemeinde in der Schnittmenge von Kultur und Tourismus liegt. Kulturtourismus zielt auf die Zusammenarbeit verschiedenster Akteur/innen im Rahmen unterschiedlicher Handlungsfelder. Die Ersteller der Studie sprechen zur Erschließung des kulturtouristischen Potentials insgesamt rund 25 Empfehlungen für Kultureinrichtungen, tourismus-affine Unternehmen und die Kommune selbst aus. Diese zielen auf qualitativ hochwertige, stark vernetzte Angebote, die möglichst viele Akteur/innen einbeziehen.
Die Ersteller der Studie gehen dabei von einer Übertragbarkeit des Netzwerkprozesses auf weitere Schnittmengen für kleine Städte an den Rändern der Ballungszentren oder im ländlichen Raum aus: Kulturwirtschaft und Stadtentwicklung („Neue Nutzungskonzepte / Leerstandsmanagement in historischen Ortskernen"), Kulturwirtschaft und Landwirtschaft („Einkommensmöglichkeiten für Frauen im ländlichen Raum") und Kulturwirtschaft und demographischer Wandel („Kultur im Alter") sind nur einige mögliche Schnittmengen mit wirtschaftlichem und beschäftigungsförderndem Potenzial.
Handlungsbedarf in der Förderung kulturwirtschaftlicher Netzwerke
Handlungsbedarf sehen die Ersteller der Studie in wissenschaftlich fundierten Modellen und Handlungsanweisungen zur Initiierung, Etablierung und Förderung kulturwirtschaftlicher Netzwerke kleiner Kommunen im ländlichen Raum. Besonderer Bedarf wurde identifiziert in der Entwicklung von neuen Geschäftsfeldern in den Schnittmengen von Kultur und anderen Bereichen, in der Qualifizierung der lokalen Akteur/innen und in der Nutzung neuer Informationstechnologien.
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